Im Kreis sprechen

Ein Grundbaustein von Schwarmorganisationen ist häufig der Kreis. Er ist rund und kennt weder ein Oben noch ein Unten. In Kreisen kann es sehr umfrangreiche Regeln geben, hier möchte ich eine einfache Praktik vorstellen, die die Grundlage bildet.

Typische Besprechungssituation

Man muss nicht in einer reifen Schwarm-Organisation arbeiten um von einfachen Praktiken zu profitieren. Hier eine Praktik, die du in jeder Besprechung anbringen kannst. Stell dir vor, ein Thema steht zur Besprechung an. Üblicherweise fängt einer im Team an etwas zu sagen. Eine andere Person im Team ist mit dem gesagten nicht einverstanden und muss gleich „einhaken“. Woraufhin der Anfangsredner seien Position wieder verteidigen muss etc. Kurz darauf geht es hin und her, kreuz und quer. Sitzen dann noch unterschiedliche hierarchische Ebenen zusammen, ergibt nicht eine ganz andere Dynamik. Dem Hierarchen (welche selbstverständlich auch weiblich sein kann) ist es erlaubt Andere mitten im Satz zu unterbrechen, muss sich aber das selbst nicht gefallen lassen. Er oder sie kann eine andere Meinung verbal rigide zur Seit schieben, auch das würde man sich umgekehrt gegenüber der Hierarchin oder dem Hierarchen nicht trauen.

So funktioniert das Sprechen im Kreis

Kommt dir das vertraut vor? Dann probiere doch mal etwas Neues aus: das Sprechen im Kreis. Das funktioniert so: das Team sitzt in einem Kreis. Jeder kommt der Reihe nach zu Wort, einer nach der anderen. Wenn eine Person dran ist, dann darf sie sagen was sie braucht oder gerne hätte. Dabei muss sie immer über sich selbst sprechen und kann nicht für andere oder über andere sprechen. Eine Aussage, warum man den Vorschlag der Vorrednerin nicht gut findet entspricht also nicht diesen Regeln – man muss dabei bleiben was man braucht und nicht was man nicht will. Wer gerade nicht dran ist, hört aufmerksam zu, macht sich Notizen für den Moment wo er wieder dran ist.
Das gleiche gilt auch für Hierarchen oder Hierarchinnen. Auch sie dürfen alles sagen, wenn sie dran sind – sie sprechen einmal, dann hören auch sie wieder aufmerksam zu: ohne zu kommentieren, negieren, bewerten, etc.

Anwendungsmöglichkeiten

Soweit die Grundidee. Diese Praktik funktioniert gut um Feedback einzuholen. Die kann das Feedback zu einem Vorschlag sein, zu einem gemeinsamen Ereigniseinzuholen oder auch zum Projektverlauf. Man kann dieses Prinzip ganz ungezwungen zum Start eines jeden Meetings anwenden, dabei beantworten alle Teilnehmer die Fragen: „Wie geht es mir, was lenkt möglicherweise meine Konzentration ab?“
Diese Praktik ist weniger gut geeignet um Entscheidungen zu treffen oder für kreative Gruppenaufgaben, z.B. eine neue Lösung zu entwickeln.
Schreibt doch am besten in die Kommentare, ob ihr die Praktik ausprobiert habt und mit welchen Erfahrungen.

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