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Vision, Mission und Purpose

  • vor wenigen Monaten

Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen. Das hat Helmut Schmidt einem Reporter gesagt, der nach seiner großen Vision gefragt hatte. Und genau darum geht es hier: um Vision, Mission und Pupose.?

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Wer Visionen hat soll zum Arzt!

Helmut Schmidt hatte den Ausspruch damals selbst nicht ganz ernst gemeint. Später hat er zugegeben, dass es eine pampig Antwort auf eine dusselige Frage gewesen sei.

Wozu eine Vision, Mission oder Purpose haben?

Na ja, das sind tolle Sätze, die sich gut nach draußen vermarkten lassen. Das will mein Kunde hören, das wollen unsere Bewerber sehen, das will vielleicht der Investor wissen. Damit kann man wunderbar neue Mitarbeiter anlocken. Da kann man Leute neugierig machen und Kundeninteresse dafür wecken. Bis hin zu dem Argument: "Alle machen es, und wir brauchen das jetzt auch".

Wenn das deine Motivation ist, dann sage ich an dieser Stelle gleich: wunderbar, lies nicht mehr weiter! Du brauchst das nicht. Lass es einfach, mach es auch nicht, wenn das deine Argumente sind, warum du dich damit beschäftigst, dann sind die Informationen, die hier folgen, für dich nicht die richtigen.

Ansonsten gibt es weitere Gründe, warum man vielleicht mit einer Vision, Mission oder einem Purpose arbeiten sollte. Ich habe zwei Hauptgründe.

  • Es motiviert ganz stark.
  • Es vereint die Mannschaft/ das Team

Motivation

Es gibt ganz viele Bedürfnisse, die uns motivieren können, z.B. das Bedürfnis, Macht ausüben zu können oder Status zu erreichen und Geld zu bekommen.

Jetzt weiß man natürlich, dass gerade das Letzte, das Geld und Status, keine guten Moderatoren sind. Da gibt es ganz viele Untersuchungen aus der Motivationsforschungen, die zeigen, dass es negative Effekte hat, wenn man mehr Geld bezahlt. Je mehr ich die Menschen dazu trainiere, über Geld Motivation zu entwickeln, desto schwieriger wird es, immer wieder Motivation zu entwickeln. Viel besser ist es, nicht auf dieses Instrument zu setzen.

Menschen mit Geld zu bestechen etwas Bestimmtes zu tun, erzeugt keine dauerhafte Motivation. Es gibt nur eine Ausnahme: rein körperliche Arbeit. Dort zeigt die Motivationsforschung, dass die Motivation mit mehr Geld steigt

Wenn das keine guten Motivatoren sind, was könnte denn dann noch ein Bedürfnis sein, das uns motiviert?

Ein ganz großes Motiv und Bedürfnis in uns allen ist Sinn, Erfüllung.

Auch da gibt es Experimente aus der Motivationsforschung, wo man Menschen gebeten hat, etwas für den Müllerimer zu tun.

Das hat innerhalb kürzester Zeit dazu geführt, dass die Menschen sich keine Mühe mehr gegeben haben und nicht mehr als das Nötigste getan haben.

Umgekehrt, wenn man einen Sinn in seiner Arbeit erkennt, leistet man hervorragende Arbeit und ist hochmotiviert. Warum arbeite so viele Menschen bei schlechter Bezahlung in Krankenhäuser? Naja, das ist wohl sehr einfach dadurch zu erklären, dass man jeden Tag merkt, man rettet im wahrsten Sinne des Wortes tatsächlich Leben. Und das ergibt natürlich irgendwo schon Erfüllung und Sinn im Leben.

Während ganz viele anderen Menschen, die vielleicht sogar hochbezahlte Managementpositionen erreicht haben, irgendwann erkennen: es ist schön viel Geld zu bekommen, aber im Inneren bin ich irgendwie leer, es erfüllt mich einfach gar nicht, diese Arbeit zu tun.

Also Sinnerfüllung ist bestimmt ein Bedürfnis, das in uns große Motivation auslösen kann. Das bedeutet, dass wenn wir uns im Innersten mit etwas verbinden können und etwas Sinnvolles darin sehen können, dann gibt uns das Energie und gibt es uns Antrieb. Und dieser Antrieb kommt nicht von außen „extrisisch“, sondern kommt von innen. Das Schöne an dieser instrinsischen Motivation, die von innen kommt, ist, dass die nicht auf Wettbewerb und auf ein Gegeneinander aufbaut.

Bei Geld oder Macht ist jedem klar, dass diese Ressourcen endlich sind. Das heißt, ich konkurriere mit meinen Mitarbeitern und Kollegen um genau diese Ressourcen. Denn wenn der Kollege mehr Geld bekommt, kann ich es nicht auch bekommen. Wenn ich mehr Geld bekomme, dann ist weniger Geld für alle anderen da. Genauso verhält es sich mit Macht: Je mehr Macht ich habe, desto weniger können andere Macht ausüben.

Geld und Macht sind endliche Ressourcen, und wir konkurrieren im Unternehmen dagegen. Das Schöne bei Erfüllung und Motivation von innen ist, dass diese nicht auf Wettbewerb basiert, sondern auf einem Miteinander.

Wenn die Kollegen von demselben Sinn erfüllt sind, von demselben Ziel träumen wie ich, dann zahlt das aufeinander ein. Wir unterstützen uns und helfen uns gegenseitig, weil wir dasselbe Ziel vor Augen haben.

Das ist die Stärke, die in diesem Motivator drinsteckt!

Unser Bedürfnis nach Sinnerfüllung bringt uns zusammen, erlaubt uns Zusammenarbeit und verhindert, gegeneinander zu arbeiten. Es geht also nicht nur um einen Akt der Menschlichkeit – sondern um wirtschaftliche Gründe.

Sinn bei der Arbeit?

Die Vision/Mission oder der Purpose ist ein aufrichtiges Sinn-Angebot des Unternehmens an die Mitarbeiter. Sinn ist ja wiederum etwas sehr Persönliches, Individuelles. Das heißt, ich kann den Mitarbeitern nicht Sinn geben. Ich kann ihnen nur etwas anbieten. Und möglicherweise docken die daran an und erkennen darin Sinn für sich, aber vielleicht auch nicht. Das kann ich als Unternehmen nicht beeinflussen.

Aber wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Sinn darin sehen und Erfüllung bei Ihrer Arbeit erleben können, dann bekommt das Unternehmen ganz viel an Motivation zurück. Z.B. in Form von Interesse, Einsatz oder der Bereitschaft, Dinge zu tun, die nicht Dienst nach Vorschrift entsprechen.

Als Arbeitgeber bin ich dann mehr als nur ein Geldgeber, der für die Arbeitszeit entschädigt. Ich bin dann deutlich mehr, ich biete ein Ort für die Verwirklichung meiner Mitarbeiter.

Unterschiedliche Lebensphasen

Natürlich gibt es Menschen, denen ist das gar nicht wichtig. Es ist ja nur ein Angebot des Unternehmens an die Mitarbeiter. Manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nehmen es dankbar an und anderen ist das gar nicht wichtig.

Stell dir vor, eine Person ist frisch verheiratet, hat ein Haus gebaut und hat eben erst einen ersten Sohn oder eine erste Tochter bekommen. Dieser Person ist es vielleicht nicht so wichtig, sich tagsüber zu verwirklichen. Diese Person möchte Sicherheit haben und möglichst viel Geld verdienen, um die Hausraten abzuzahlen zu können. Erfüllung findet da eher im Privatleben statt.

Und es gibt es genügend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sind vielleicht in einer Lebensphase, das ist das Haus schon bezahlt und das Einkommen reicht locker.

Plötzlich wird der Wunsch nach Selbstverwirklichung größer und man möchte irgendwie Sinn in der Arbeit finden.

Das könnte auch für Personen gelten, die von der Universität oder von der Ausbildung kommen, und tausende Ideen haben, die ich verwirklichen möchten. Diese suchen sich ein Unternehmen, das ihnen ermöglicht Ideen zu verwirklichen, sich einzubringen und etwas Sinnvolles zu tun.

Es ist wichtig zu verstehen, dass unterschiedliche Lebensphasen verschiedene Bedürfnisse erzeugen. Das kann sich jederzeit in die eine oder andere Richtung ändern. Es geht nicht um eine Lösung, um damit wirklich jeden Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin perfekt zu adressieren. Das Unternehmen kann dies gar nicht beeinflussen. Es bleibt ein Angebot an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und vielleicht brauchen manche genau dieses Angebot, weil es für sie ein Bedürfnis erfüllt.

Rein statistisch kann man allerdings erkennen, dass Wissensarbeiter stärker auf Sinnerfüllung angewiesen sind. Sie wollen nicht nur ihre Arbeit leisten, um Geld zu bekommen. Sie wollen einen Zweck, einen Purpose, einen höheren Sinn oder Erfüllung in ihrer Arbeit haben.

Keine Religion daraus machen!

Vision, Mission oder Purpose ist keine Religion. Vision, Mission oder Purpose sind valide und aufrichte Angebot an alle, die sich Erfüllung bei der Arbeit wünschen.

Es ist nicht die zwingende Voraussetzung, dass nur wer hurra-schreiend dem Unternehmen-Purpose hinterher rennt, ein Mitglied des Unternehmens sein darf.

Es ist gut, so etwas zu haben, so etwas anzubieten, aber es ist kein Zwang und kein Muss. Bitte mach aus deinem Unternehmen oder aus deinem Team keine Sekte, sei auch großzügig mit Menschen, die das nicht brauchen. Vielleicht sind es dieselben Menschen, die in einem Jahr es toll finden und sich damit wohler fühlen.

Gemeinschaft und Zusammenhalt

Wenn ich eine Vision, Mission oder ein Purpose richtig gut gemacht habe, dann beeinflusst das so ziemlich alles im Unternehmen. Natürlich gilt das ganz offensichtlich für die Produkte, aber eben auch für Arbeitsprozesse.

Wenn ich zum Beispiel in der Vision ganz stark auf Umwelt und auf CO2-Reduktion setze, dann hat es auch etwas damit zu tun, wie wir in diesem Unternehmen arbeiten und ob wir Ökostrom verwenden oder nicht - das hat zunächst nichts mit dem Produkt zu tun, das hinten rauskommt, aber damit, wie wir arbeiten.

Das Gleiche gilt auch für ganz andere Themen, zum Beispiel Mitarbeiterauswahl. Ich kann natürlich schon in den Bewerbungsgesprächen mal prüfen, wie Bewerber auf unsere Mission und auf unsre Vision reagieren. Docken sie an, ist es für sie sinnstiftend? Oder ist es für sie unwichtig? Wenn ein Berwerber mit dem Purpose wenig anfängt und sich nach den Karrieremöglichkeiten im Unternehmen erkundigt, dann ist es vielleicht ein wichtiges Signal.

Das Gleiche gilt natürlich für Lieferanten zu. Wenn ich mit dem Thema fair arbeite, dann hilft es gar nichts, wenn ich lauter Lieferanten habe, die auf Kinderarbeit setzen.

Das gleiche bei den Investoren. Ich werde interessant für Investoren, die vielleicht grüne Technologie unterstützen wollen. Die docken dann an der Vision einer Mission an, andere wiederum nicht.

Und bei Kunden wird es ganz extrem, weil die sich vielleicht genau mit der Vision verbinden. Also keine reinen Kunden sind, die Geld gegen eine Leistung tauschen, sondern vielleicht werden sie sogar noch mehr: vielleicht werden sie zu Fans des Unternehmens.

Das davon träumt ja jeder Unternehmer, dass er nicht nur zufriedene Kunden hat, sondern sogar Fans, die zu Botschaftern des Unternehmens und der Produktpalette werden.

Wie geschieht das?

Die Aussagen, die wir machen aufgrund unserer Zielvorstellung und unsere Werte, die werden eben manche Personen anziehen und andere wieder abstoßen. Wenn ich z.B. Investoren habe, die einfach die schnelle Mark verdienen wollen, die fangen dann vielleicht mit einem Begriff wie „fair“ nichts an. Es interessiert sie einfach nicht. Dann werde ich diese Investoren verlieren und andere, die auf „fair“ setzen, anziehen. Die werden vielleicht genau dieses Unternehmen suchen und sind ganz froh, dass sie ein solches Unternehmen gefunden haben, in das sie investieren dürfen.

Es gibt Menschen, die von der Vision und Mission nicht angezogen werden, sondern abgestoßen werden. Das klingt ja erst einmal schlecht. Wir wollen ja niemand verlieren: weder Kunden noch Mitarbeiter.

Aber warum denn nicht? Lasst die Leute doch gehen. Lasst die doch woanders hingehen, wo sie viel eher spüren, dass ihr Sinn, dass ihre Erfüllung dort möglich ist. Und lass in deinem Unternehmen die Leute rein, die an der Vision und Mission mitarbeiten wollen. Die Vision/Mission führt zu einer Selektion von Menschen mit gleichen Glaubenssätzung und Werten.

Das braucht natürlich Zeit, aber am Ende eines Prozesses, eines Wandels, bleiben dann tatsächlich die Mitarbeiter, die Investoren, die Lieferanten und die Kunden übrig, die sich mit der Vision, Mission oder dem Purpose verbinden können oder zumindest damit keinen Widerspruch oder keinen Einwand haben.

So führt die Selektion dazu, dass wir uns stärker vereinen. Es sollte uns also leichter fallen, gemeinsame Ziele zu verfolgen, die sich aus der Vision, Mission oder dem Purpose ergeben.

Das ist eine hervorragende Voraussetzung für Delegation und der Verteilung von Verantwortung. Ich tue mich sehr leicht zu delegieren, wenn andere so gut entscheiden wie ich. Das ergibt sich aus einer ähnliche Denkweise und wir wollen beide in dieselbe Richtung und vielleicht sogar in derselben Geschwindigkeit. Und wenn das gegeben ist, dann fällt es mir leichter, zu vertrauen zu Entscheidungen abzugeben. Wenn du das im Sinne der Vision tust, dann wird wahrscheinlich dasselbe rauskommen, als hätte ich es selbst entschieden.

Eine Vision, eine Mission oder ein Purpose sorgen für eine gemeinsame Orientierung und eine gemeinsame Ausrichtung im Unternehmen, ermöglichen eine bessere Arbeitsteilung und vereint uns im Unternehmen auf einer geistigen Ebene.

Regeln im Umgang mit Vision, Mission, Purpose

Ganz wichtig ist, dass ich als Führungskraft mir immer meiner Vorbildfunktion bewusst bin. Deswegen ist es extrem wichtig, dass ich die Vision, Mission und den Purpose niemals verrate, niemals aufgebe und niemals dagegen agiere! Es sei denn, ich erkläre das auch.

Wenn eine Führungskraft gegen die Vision/Mission agiert und preisen die sie gleichzeitig mit markigen Sprüchen an. Dann erleben die Mitarbeiter etwas ganz anderes als die Vision/Mission. Und die wissen dann, was sie mit diesem Spruch machen.

Die Vision oder Mission ist dann allenfalls noch eine Toiletten-Parole.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können nicht mehr andocken, und das bekommt auf dem Flur und in der Kaffeeküche schnell den Charakter: „Du glaubst noch daran? Du bist drauf reingefallen?“

Es ist ideal, wenn Führungskräfte in solchen Situationen bereit sind, Feedback zuzulassen, entgegenzunehmen und auch Diskussionen über Vision, Mission oder Purpose zuzulassen. Und vielleicht gesteht eine Führungskraft „Oh! Das stimmt ja, ich habe einen Fehler gemacht. Gut, dass du mich daran erinnerst. In diesem Sinne muss ich diese Entscheidung auch nochmal überdenken und vielleicht revidieren.“

Egal, ob man es jetzt Vision, Mission oder einen Purpose nennt. Da stecken Werte drin, und wir sind eine Wertegemeinschaft als Unternehmen (oder werden es dadurch, dass wir danach handeln). Und wenn eine Führungskraft diese Werte verrät, dann werden die Mitarbeiter auch nicht diesen Themen arbeiten und in diese Richtung ziehen. Wenn ich als Führungskraft etwas anderes vorlebe, dann ist die Vision oder die Mission ruckzuck aufgekündigt im Unternehmen!

Feedback ist das passende Gegenmittel für alle Führungskräfte. Wenn eine Führungskraft Feedback einholt, wird sie nicht an Respekt verlieren, sondern typischerweise an Respekt gewinnen. Das erlebe ich auch bei Menschen, die zugeben können, dass sie etwas übersehen haben oder etwas gelernt haben. Daher ermuntere ich alle Führungskräfte dieser Welt dazu, den Mut für offenes Feedback aufzubringen.

Es ist kein Zeichen von Schwäche, wenn man sein eigenes Handeln durch Feedback reflektieren lässt und vielleicht noch mal über sein Handeln nachdenkt.

Abgrenzung der Begriffe

Bislang wurden die Begriffe Mission, Vision und Purpose immer als Trio verwendet, jetzt wird es Zeit diese Begriffe einmal genauer anschauen und zu differenzieren.

Es gibt keine allgemeingültige Definition. Wenn man in Wikipedia reinschaut und in andere Quellen, dann wird man immer wieder Unterschiede finden.

Meine Interpretationen der Begriffe biete ich dir einfach an, und du darf selbst entscheiden, ob du diese Begriffe in dieser Bedeutung verwenden möchtest oder ob du sie anders belegen möchtest.

Vision

Für mich ist eine Vision so eine Art Nordstern. Der Nordstern steht ja am Himmel, immer an derselben Stelle: von uns aus gesehen, immer im Norden. Und damit weist er uns die Richtung. Wenn ich Richtung Norden möchte, schaue ich auf den Nordstern und lauf einfach Richtung dieses Sterns.

Es ist natürlich nicht mein Ziel, meine konkrete Absicht auf diesen Stern zu fliegen, der wird viele Lichtjahre entfernt sein und es wird dort ungemütlich sein: dort würde ich vermutlich sehr schnell verdampfen, wenn ich auf dem Nordstern landen würde. Das ist nicht das eigentliche Ziel, dorthin zu kommen. Das ist mir auch bewusst. Und trotzdem gibt dieser Nordstern eine wunderbare Orientierung, weil ich genau weiß, ob ich auf dem richtigen Weg bin. Und der Nordstaaten ist so hoch und leuchtet so hell, dass er für mich auch immer sichtbar bleibt.

Und so was ähnliches ist für mich die Vision. Also die Vision muss für mich nicht erreichbar sein. Die darf ruhig weit entfernt liegen. Damit meine ich nicht unkonkret, aber vielleicht unerreichbar, weil idealistisch überhöht.

Die Vision ist unkonkret, was die konkreten Schritte des Unternehmens angeht, aber eine sehr klar Vorstellung dessen, was uns antreibt.

Dabei helfen Leitfragen: Wie wünschen wir uns die Zukunft? Wie sieht eine Welt aus, wie wir sie gerne schaffen würden? Welchen Einfluss über wir auf Menschen in dieser Welt aus?

Durch eine überhöht formulierte Vision sollte es leicht sein Leidenschaft auszudrücken und entfachen. Die Vision soll zumindest das Potenzial haben, dass Mitarbeiter sie und sagen: „Ja, genau. Dafür trete ich an!“ Oder es ist nicht ihre Baustelle, dann werden sie vermutlich nicht allzu lange im Unternehmen bleiben.

Und das ist okay, in gewissem Sinne ist es kein großer Verlust. Beide Seiten werden gewinnen, wenn man die Arbeitsbeziehung auflöst. Die werden hier nicht in diese Vision einzahlen wollen, weil sie sich dort nicht wiederfinden. Und auf der anderen Seite können sie sich auch hier nicht verwirklichen.

Um das nochmal klarzumachen: ist eine Vision so formuliert, dass alle glücklich werden damit, dann erfüllt sie ihren eigentlichen Zweck nicht!

Eine Vision soll polarisieren! Also vielleicht ist das schon ein Qualitätskriterium für eine Vision: Wenn eine Vision überhaupt nicht polarisiert und damit auch nicht abgrenzt, dann ist sie zu unspezifisch.

Und was überhaupt keinen Platz hat in einer Vision so Management-Sprüche wie „Wir wollen Weltmarktführer werden“, „Wir sind die Besten/Schnellsten/Günstigsten/Größten“.

In der Vision muss das eigene Unternehmen nicht mal vorkommen. Wir drücken in der Vision eine Welt aus, wie wir sie gerne hätten. Dazu müssen wir nicht unbedingt Teil dieser Welt sein und schon gar nicht der CEO, Geschäftsführer oder eine Führungskraft. Welches Problem in der Welt lösen wir?

Erfüllung kommen typischerweise nicht aus finanziellen Kennzahlen oder aus Positionierungen.

Beispiele:

  • Google: "die Informationen der Welt allgemein zugänglich und nützlich zu machen"
  • Disney: Make people happy
  • Ikea: "Ein besseres Alltagsleben für die breite Masse schaffen."
  • Air BnB: "Wo auch immer die Reise hingeht, warten Gastfreundschaft und ein Gefühl der Zugehörigkeit."

Die Stärke einer Vision bemisst sich nicht daran, wie toll sie andere finden, sondern letztendlich nur daran, wie gut die Vision uns zusammenbringt und wieviel Energie sie uns gibt.

Mission

In der Vision kommen wir als Unternehmen nicht möglicherweise gar nicht vor. In der Mission kommen wir ins Spiel! Denn jetzt drücken wir aus, worin unser Beitrag besteht. Während die Vision eher auf die Auswirkung fokussiert (wie wird die Welt?) drückt die Mission den Beitrag aus, den wir beisteuern: Was machen wir, damit wir die der Vision näher kommen?

Es geht um grundlegende Aktivitäten, bitte nicht Klein-klein oder eine lange Liste von Aktivitäten. In diesem Beitrag drückt sich häufig die Qualität der Organisation aus: Was können wir besser als die meisten anderen Organisationen? Das ist unsere Mission.

Beispiele:

  • Ärzte ohne Grenzen: "Bereitstellung von medizinischer Hilfe für die Bedürftigen, unabhängig von ihrer Rasse, Religion oder politischen Zugehörigkeit."
  • Google: "Wir sammeln und organisieren die Informationen der Welt."
  • Nike: "Wir bringen Inspiration und Innovation zu jedem Athleten in der Welt."
  • Zappos: "Create and deliver WOW!"

Purpose

Vielleicht hast du schon das eine oder andere Wort Purpose gehört. Der englische Begriff steht für „Sinn“, aber auch für „Zweck“. Das schöne an dem englischen Begriff ist, dass der beides beinhaltet.

Zweck wäre sehr rational ausgerichtet, und Sinn geht über den rationalen Zweck hinaus. In der Kombination wird nicht nur der Kopf angesprochen, sondern auch der Bauch oder das Herz. Beides Begriffe zusammen ergibt den „Purpose“. Deswegen verwende ich gerne diesen englischen Begriff und nehme nicht so gerne den Begriff Zweck und auch nicht den Begriff Sinn, weil Purpose eben diese Kombination aus beidem ist.

Vereinfachend ist Vision und Mission zusammengenommen ein sehr schönes Purpose-Statement. Das heißt, ich kann entweder ein Purpose-Statement machen, das beides enthält. Oder ich trenne es auf und habe eine Vision und eine Mission. Dann habe ich eben zwei Statements, das ist egal, solange es eben sinnstiftend für das Unternehmen ist.

So viele Gedanken zu Vision, Mission und Purpose! Hast du das Thema schon bearbeitet? Schreibe es gerne in die Kommentare.

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